Die Geschichte vom Fräulein

Gestern vor 40 Jahren wurde es offiziell per Gesetz beerdigt: Das Fräulein. Im emanzipierten Deutschland war kein Platz mehr für die diskriminierende Anrede unverheirateter Frauen.

Die Geschichte vom Fräulein (Auszüge aus Wikipedia)

Im Neuhochdeutsch der Zeit vor dem 19. Jahrhundert war die Anrede „Fräulein“ auf Standespersonen beschränkt.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert etablierte sich die Anrede „Fräulein“ vor allem für berufstätige Frauen (z.B. Angestellte in Warenhäusern, Kellnerinnen und Lehrerinnen), da weibliche Berufstätigkeit damals noch strikt auf die Zeit vor der Ehe beschränkt war.

Das „Fräulein Rottenmeier“ aus Johanna Spyris Heidi ist eine bekannte Vertreterin des Typus „Fräulein Lehrerin“. Die eigentlich für eine Dame fortgeschrittenen Alters unpassende Bezeichnung „Fräulein“, die jugendliche Ungebundenheit signalisiert, wurden solche Frauen nicht los, es sei denn, sie hätten doch noch geheiratet und damit ihren Beruf „geopfert“. Das Recht, ihren Frauen eine Erwerbstätigkeit zu untersagen, gab § 1354 des BGB in Deutschland Ehemännern bis 1957.

1937 „erlaubte“ der Reichsinnenminister, Mütter nichtehelicher Kinder mit „Frau“ anzureden oder anzuschreiben, wenn diese vor der für sie zuständigen Polizeistation ihren entsprechenden Wunsch zu Protokoll gegeben hatten. Für den Dienstverkehr des öffentlichen Dienstes galt ab Mai 1937 die einheitliche Anrede „Frau“. Im Zweiten Weltkrieg wurde dieses Privileg auch unverheirateten Müttern von Adoptivkindern und Verlobten von Kriegsgefallenen zugestanden.

Nach 1945 wurde das „doitsche Froilain“ von den in Deutschland stationierten amerikanischen GIs entdeckt und das „Fräulein“ ging als Fremdwort ins Englische ein. Seitdem existiert auch die sprichwörtliche Redensart vom „Deutschen Fräuleinwunder“.

1955 hob das Bundesinnenministerium den nationalsozialistischen Bezugserlass auf und verfügte, dass in amtlichen Schreiben jede weibliche Person, die das wünsche, mit „Frau“ bezeichnet werden müsse.

Die Frauenbewegung seit den 1970er-Jahren kritisiert das Diminutiv „Fräulein“ wegen der gesellschaftlichen Werte und Vorstellungen, die darin zum Tragen kämen: Einerseits löse das genus neutrum (ähnlich wie bei dem Wort „das Weib“) unerwünschte Assoziationen aus (als ob weibliche Menschen „Sachen“ wären), andererseits werde durch den Gebrauch der Unterscheidung zwischen „Fräulein“ und „Frau“ die Ansicht gefördert, wonach eine weibliche Person erst dann als erwachsene Frau gelten könne, wenn sie heirate.

1972 schließlich verfügte das deutsche Bundesinnenministerium, dass der Gebrauch des Wortes „Fräulein“ in Bundesbehörden zu unterlassen sei.

Auf WDR-Zeitzeichen gibt es die ganze spannende Geschichte zu hören, ich muss sagen, vieles davon wusste ich nicht. In der Schweiz ist es übrigens auch heute noch üblich, die Bedienung im Cafe oder auch in einem Sportgeschäft „Fräulein“ zu rufen, egal ob sie verheiratet ist oder wie jung oder alt…:-)

Hier ein Lied aus der Zeit des Fräuleinwunders:

und noch ein Fräulein-Lied aus einer Zeit, in der man(n) „Fräulein“ noch mit Respekt und Bewunderung sagte:

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31 Antworten zu Die Geschichte vom Fräulein

  1. mayarosa schreibt:

    Ach schön, dass du daran erinnerst. Aber wie hieß doch gleich dieser Film? – Totgesagte leben länger. Das trifft wohl auch auf das Fräulein zu. Inzwischen bin ich augenscheinlich zu alt, als dass es jemand wagen würde, mich als Fräulein anzusprechen – älter werden hat eben auch Vorteile 🙂 – aber ich erinnere mich noch genau, so mit Mitte 20 passierte das gerne. Je nachdem, wie es die Situation erlaubte, wehrte ich mich dagegen mit Sätzen wie: Hey, wenn du mich Fräulein nennst, nenn‘ ich dich Herrlein oder Männlein 🙂

    • andrea2110 schreibt:

      Liebe Mayarosa, danke für Deine Erfahrungen damit… Mir war nicht klar, dass das Fräulein schon so lange – offiziell- abgeschafft worden ist… Durch meine Zeit in der Schweiz bin ich damit viel lockerer umgegangen und musste lachen, wenn auch meine schon über 50 Jahre alte Kollegin manchmal mit „Fräulein“ angesprochen wurde:-) Heute ist es für mich eher ein Zeichen von Jugend, wenn ich so angesprochen werde:-) Ja, ich mache mir die Welt, widde widde wiesiemitgefällt:-) Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende, Andrea

  2. werner schreibt:

    Ja, Andrea, das waren Zeiten…
    Meine Tante war Erzieherin in einem Kindergarten – vor ca 70 Jahren als man dazu noch Kindergarten-„Tante“ sagte. Als sie heiratete musste sie ihren Beruf aufgeben.
    Dass sie in dem Haus wohnen bleiben durfte, in dem der Kindergarten untergebracht war, war dann ein großes Entgegenkommen der Gemeinde.
    Zu dem was du über die Schweiz schreibst, kann ich nur sagen, dass man das nicht nur in der Schweiz antreffen kann. Auch in Deutschland höre ich das immer wieder in Restaurants.

    W.

    • werner schreibt:

      Nachtrag:
      Und als unsere Kinder in den Kindergarten gingen (vor gut 30 Jahren) da sagten sie:
      „Unser Frollein heißt Frau xx“
      🙂

    • andrea2110 schreibt:

      Lieber Werner, meine Kindergartentante hiess Tante Marga… und neulich hab ich bei Facebook Leute getroffen, die auch in diesem Kindergarten waren und alle erinnerten sich an diesen Namen:-) Deine Tante hat es ja gut getroffen mit dem Haus, dass sie ihren Job aufgeben musste, war ja echt krass… das war scheinbar einfach so damals… Gut, dass das heute anders ist:-) Liebe Grüsse Andrea

  3. Elisabeth schreibt:

    Liebste Andrea,

    und Zeit wurde es! 😉
    Als kleines Mädchen störte mich das noch nicht so sehr, im Gegenteil, es war eine liebevolle Anrede, die mich sogar stolz machte. Aber wehe, es hätte einer „Fräulein“ zu mir gesagt, als ich pubertierte und älter wurde! 😆

    Im Wiener Caféhaus wird diese Anrede für das weibliche Servierpersonal (so es dieses dort bereits gibt, es sind immer noch die Herren Ober, die dort das Sagen haben… 😉 )wohl noch eine Weile überleben…

    Fröhliche Herzensgrüße zu dir, Elisabeth

    • andrea2110 schreibt:

      Liebste Elisabeth, oh ja vor allem in der Zeit von 15 bis 25 konnte ich es GAR nicht leiden, wenn mich jemand Fräulein nannte; da wollte ich doch erwachsen sein und älter wirken… Wie schon geschrieben, heute schmunzel ich drüber und nehme es eher als Kompliment für Jugendlichkeit:-) Herzliche Grüsse zu Dir, Andrea

  4. Himmelhoch schreibt:

    DAs finde ich ja lustig – vor ca. einer Woche habe ich meiner 8jährigen Anna erklärt, was ein „Fräulein“ ist oder früher war und wie das heute damit ist.
    Lieben Gruß von Clara

    • andrea2110 schreibt:

      Liebe Clara, das ist wirklich lustig… wie passend… UND? Hat sie es verstanden? 🙂 Liebe Grüsse Andrea

      • Himmelhoch schreibt:

        Sie kannte das Wort schon noch, aber nur in dem Zusammenhang, wenn ihre Mutter liebevoll mit ihr schimpft. Dann sagt man es ja in abgewandelten Formen: „Fräulein, ich werde dir gleich Beine machen“ oder so ähnlich.
        Liebe Grüße zurück!
        Heute bin ich bei mir nochmal auf dieses Faustzitat „Schönes Fräulein, darf ich’s wagen …“ eingegangen.

  5. WellnessDame schreibt:

    Dankeschön für diesen interessanten Beitrag. Bei uns wird das Fräulein tatsächlich hin und wieder noch verwendet, aber natürlich nicht offiziell, sondern vorallem von den älteren Herrschaften, die charmant sein möchten. Ich finde das dann auch gar nicht schlimm, sondern eigentlich ganz nett. 😉
    Viele liebe Grüße, Martina

    • andrea2110 schreibt:

      Liebe Martina, das finde ich auch völlig ok und im schönen Österreichischen Dialekt (und auch im Schwyzerdütsch) kommt das eben auch ganz anders und charmanter rüber als in Hochdeutsch… Wie schon geschrieben, für mich ein Zeichen von – erhaltener- Jugendlichkeit… Ganz liebe Grüsse Andrea

  6. theomix schreibt:

    Ja, das waren noch Zeiten, als der Name „Zahlen“ so verbreitet war, dass man die Frolleins damit rief…
    Danke für die Erinnerung, liebe Andrea. Herzlichen Gruß, Jörg

    • werner schreibt:

      und was waren das noch Zeiten als Gretchen in Goethes Faust sagen konnte:

      „Bin weder Fräulein, weder schön
      kann ungeleitet nach Hause gehn.“

      • andrea2110 schreibt:

        Ja, lieber Werner, das hab ich jetzt auch erst richtig verstanden, als ich recherchiert habe… obwohl ich den Faust im Deutschleistungskurs – sehr gern- gelesen habe:-) Deine Kinder sind wohl sehr fortschrittlich gewesen, oder vielleicht auch nur ihre Kindergartentante:-) Schmunzelnde Grüsse Andrea

        • werner schreibt:

          Das war halt die Zeit, in der man begann, hinter der Berufsbezeichnung („Frollein“) und hinter der Berufstätigkeit auch den Menschen wahrzunehmen.
          ob da jetzt gerade unsere Kinder „besonders fortschrittlich“ waren? Ich weiß es nicht.
          Auf jeden Fall haben sie sich – so weit ich das beurteilen kann – bis heute ihren gesunden Menschenverstand und ihre gute Einstellung zu anderen Menschen bewahrt.

          • andrea2110 schreibt:

            Lieber Werner, wie auch immer, die Entwicklung hat sich bei Deinen Kindern eben schon gezeigt… Dass sie gesunden Menschenverstand und gute Einstellung bewahrt haben, das spricht natürlich für sie und für eine „gute“ Erziehung… Liebe Grüsse Andrea

            („gut“ in „“, weil für jeden Menschen gut etwas anderes bedeuten kann)

    • andrea2110 schreibt:

      Hihi, lieber Jörg, schönes Wortspiel… Ich bin im Netz über den Artikel gestolpert und hab dann ein bisschen recherchiert, fand die Entwicklung selber interessant. Herzliche Grüsse zu Dir, Andrea

  7. minibares schreibt:

    Ich habs auch heute morgen gehört. Es aber wieder vergessen, wie so vieles, das ich im Bett aus dem Radio vernehme.
    Prima, dass du es nochmal aufgegriffen hast.

    Liebe Grüße

  8. Christine schreibt:

    Hi Andrea,
    Mann, das ist ja interessant. Ich wusste gar nicht, dass die Anrede „Fräulein“ eigentlich schon lange vor meiner Zeit offiziell abgeschafft wurde…… Wahnsinn, wie sich so was entwickelt! Und in was für Zeiten solche Begriffe geprägt werden.
    Danke schön! War klasse zu lesen :-))))
    Liebe Grüsse aus Neuseeland
    Christine

    • andrea2110 schreibt:

      Liebe Christine, herzlich willkommen hier auf meinem Blog aus Neuseeland…! Ich finde das auch echt interessant und dass es so lange schon her ist, das war mir auch nicht bewusst, ich habe sogar noch Arbeitszeugnisse, in denen ich mit Fräulein angeredet wurde… und das war Ende der 80er Jahre:-) Ja, die Prägung und Entwicklung der Bedeutung find ich auch spannend… Freut mich, dass es Dir gefallen hat, liebe Grüsse aus den Rheinland, Andrea

      P.s. oh, jetzt hab ich geckeckt, von wo Du auf meinen Blog gekommen bist, also ich vermute es mal, Dein Schmuck ist wunderschön… hab mir schon ein paar Stücke auf meine Wunschliste gepackt:-) LG Andrea

  9. Rapunzel schreibt:

    Ich finde, dass die Verbannung dieses Worts aus unserem Sprachgebrauch eine der größten Errungenschaften der Emanzipation ist. Weibliche Personen nach Fräulein/Frau zu unterscheiden ist hochgradig unnötig und ist ein Keim für Ungerechtigkeiten

    • andrea2110 schreibt:

      Liebe Rapunzel, ich finde es auch gut, dass die Einteilung in verheiratet und unverheiratet nicht mehr gemacht wird… Heutzutage wäre das ja sowieso völlig überholt, da viele Paare ja gar nicht mehr heiraten und trotzdem eine Familie sind… Liebe Grüsse Andrea

  10. Christine schreibt:

    HuHu Andrea,

    Ja, stimmt genau, solche Arbeitszeugnisse hab ich auch noch 🙂
    Ach schön, mit Dir Kontakt zu haben. Lebst Du doch in meiner Geburtsstadt, schnief…..Sehnsucht……..
    Ich war bestimmt schon 15 Jahre nicht mehr da 😦
    Grüss mir die Heimat und schönes Wochenende
    Christine

    • andrea2110 schreibt:

      Liebe Christine, ich weiss wie das ist, in einem anderen Land zu leben, bei mir war es zwar „nur“ 13 Jahre in der Schweiz, also immer noch Europa, und wenn es auch noch so schön ist, Heimat bleibt Heimat… Düsseldorf ist übrigens auch erst seit knapp einem Jahr meine neue Heimat, ich finde die Stadt einfach grossartig… Dann schick ich Dir mal so richtig düsseldorferische liebe Grüsse und wünsche Dir einen tollen Start in die neue Woche, liebe Grüsse Andrea

  11. Hase schreibt:

    Liebste Andrea,
    danke für die Erinnerung. Frl.Erika J. steht auf den Briefen, die meine Mama nach England geschickt hat, als ich au-pair war in London. Ich lese sie immer noch gerne.!!!
    Meine Grundschulllehrerin war Fräulein P., obwohl sie eine ältere Dame war, ledig….
    Danke für die Erinnerung an sie…. vor ein paar Jahren war sie noch auf einem Klassentreffen bei uns, mittlerweile ist sie verstorben in hohem Alter…..
    was mir aber noch einfällt, dass manche zu ihren Töchtern , wenn sie ermahnend was sagen wollen , „Fräulein „oder bei uns „Fräuleinche“ benutzten. Das ist noch nicht ganz aus der Mode gekommen….. denke ich, hab ich noch gehört….
    liebe Grüße
    Erika

    • andrea2110 schreibt:

      Liebstes Fräulein Erika:-) Meine Grundschullehrerin war auch Fräulein E. und die legte aber mal richtig Wert drauf, als Fräulein angesprochen zu werden, sie lebte für „ihre“ Kinder in der Schule… Ich habe sie auch Jahre später noch einmal besucht und sie konnte sich an mich erinnern, das war schön… Ja, das ermahnende Fräulein, das gibt es noch… Liebe Grüsse Andrea

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