„Ver-Wörter“

Die Wörter, die mit der Vorsilbe „ver“- beginnen, fühlen sich beim halblauten Sprechen alle ein bisschen verdrehter an als andere Wörter mit einer ähnlichen Bedeutung, die nicht mit dieser Vorsilbe anfangen. Die Vorsilbe „ver“ verschiebt die Wirkung, die das Grundwort hat.

Verstecken ist näher am verlieren, als am stecken, verschenken ist achtloser als schenken, verlegen geschieht nur beim gedankenlosen legen. Vertrauen ist schwächer als trauen.

Es ist soviel die Rede von Vertrauen schenken. Es ist eine Verpflichtung für den anderen, wenn ihm Vertrauen entgegengebracht wird. Vertrauen bindet den anderen an ein Versprechen oder an eine Verpflichtung. Diese Bindung zeigt sich auch in der Redewendung „jemanden ins Vertrauen ziehen“, es ist wirklich ein Ziehen, weil damit eine Erwartung einhergeht, die wiederum bindet.

Bei diesem Vertrauen schwingt etwas anderes mit als in dem Grundwort „trauen“. „Trauen“ macht stark und frei, während „vertrauen“ verpflichtet und bindet.

Vertrauen und Verantwortung liegen in ihrer Bedeutung nah beieinander. Jeder, der für etwas die Verantwortung hat, erfährt auch das Vertrauen, dass er mit der ihm gestellten Aufgabe klar kommt. Mit dem Wort „Verantwortung“ verbinden viele Erwachsene aber weniger eine Anerkennung als eine Last, die sie tragen oder die ihnen aufgebürdet wird.

Wie auch im Wort „Vertrauen“ verdreht die Vorsilbe „ver“ den ursprünglichen Sinn des Grundwortes. Wenn ein Mensch die Verantwortung übernimmt, dann heisst das, dass er die Antwort auf alle Fragen gibt, die er selbst beantworten kann. […] Wer Verantwortung trägt, der trägt auch die Konsequenzen für sein Tun. Es gibt eine Reihe von Wörtern und Redewendungen mit dem Wort Verantwortung. Ich habe einige von ihnen in meinem Sprachgebrauch durch andere Formulierungen ersetzt. Damit sage ich viel klarer, ws ich genau meine, und ausserdem klingt das, was ich sgaen möchte, angenehmer. Statt „etwas verantworten“ sage ich „für etwas gerade stehen“, statt „dafür bin ich verantwortlich“ sage ich „das ist meine Aufgabe“.

„Verantwortungsbewusst“ gebrauche ich gar nicht mehr. Es gibt nichts, was verantwortungsbewusster ist als etwas anderes. Ich schenke allem, was ich tue, meine volle Aufmerksamkeit, und ich erachte alels als wichtig. Weil ich alles bewusst tue, erübrigt sicht dieses Wort. Ich müsste überall „verantwortungsbewusst“ sagen.

Zwei ver-Wörter treffen aber den Nagel auf den Kopf: verdreht, da stimmt das Wort mit der gedachten Aussage überein, und verrückt. Da ist etwas verschoben, verrückt worden. Es ist nicht mehr da, wo es vorher war. Das ist verrückt. Im Lexikon steht dafür freilich eine andere Beschreibung.

aus „Deutlich reden, wirksam handeln“ von Roswitha Defersdorf

Bildquelle

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Über Andrea Kording

Kordingcoaching www.findyourwhy.wordpress.com www.andreakording.de
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6 Antworten zu „Ver-Wörter“

  1. Dori schreibt:

    Liebste Andrea,

    wie ist es denn da mit dem Wort: Ver-Lieben?

    Lachende Sonnengrüße aus Neuss,
    ich seh Dich,

    Dori

    • andrea2110 schreibt:

      Liebste Dori, *lach*, das hatte ich extra weggelassen, weil sie schreibt, dass verlieben nicht viel mit Liebe zu tun hat und ich erst entrüstet dachte, das stimmt ja gar nicht. Aber wenn ich so spreche “ ich bin verliebt in dich“ oder „ich liebe dich“, dann hat das doch eine ganz andere Qualität, oder? Beim ersten Satz hab ich das Gefühl, dass ich gar nicht bei mir bin… Wie siehst Du das? Allerliebste Herzensgrüsse Andrea

  2. Liebe Andrea,
    also ich bin jetzt ganz „verrückt“ und sehr dankbar … in den nächsten Tagen werde ich einmal ganz gezielt auf meine Wörter achten … und ich stimme dir zu „ich liebe dich“ hat eine ganz andere Qualität !
    Herzliche Grüße
    Doris

  3. Schlossgeist schreibt:

    Liebe Andrea,
    ich muss gerade viel verhandeln…und jetzt achte ich auch darauf, dass ich dann auch wirklich ins handeln komme. Wahrscheinlich verhandle ich deswegen so ungerne 😉 Danke für diese Gedanken, ich werde meine Wortwahl ab sofort ganz anders beachten!
    Lieben Gruss vom Schlossgeist

    • andrea2110 schreibt:

      Lieber Schlossgeist, danke für ein weiteres ver-Wort… verhandeln, handeln… darüber hab ich noch gar nicht nachgedacht… spannend, Du scheinst lieber zu handeln, als zu VER-handeln, kann ich gut verstehen, auch wenn es manchmal eben ohne ver-handeln auch nicht ins handeln geht… na, VERwirrt??:-) Liebe Grüsse Andrea

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